Jedes Frühjahr beginnt für mich das große Warten. Dutzende kleine Töpfe stehen im Gewächshaus, gefüllt mit Samen seltener Euphorbien. Werden sie keimen? Nach über 20 Jahren weiß ich: Es ist jedes Mal ein Nervenkitzel – wie ein Spiel mit der Natur.
Die Ungewissheit der Aussaat
Anders als beim Kauf einer fertigen Pflanze weiß man bei der Aussaat nie, was man bekommt. Die Erfolgsquoten variieren dramatisch:
- Euphorbia obesa: 60-80% Keimrate bei frischen Samen
- Euphorbia cylindrifolia: Oft nur 20-30%
- Euphorbia francoisii: Manchmal keimen von 20 Samen nur 3
Und selbst wenn die Samen keimen, ist das Überleben nicht garantiert. Pilze, falsche Feuchtigkeit, zu wenig Licht – die Gefahren lauern überall.
Warum machen wir es trotzdem?
Es ist dieses Gefühl, wenn nach Wochen des Wartens plötzlich ein grüner Punkt im Substrat erscheint. Dieses kleine Hochgefühl, wenn man sieht: Es hat geklappt! Die Natur hat "Ja" gesagt.
Wissenschaftler würden sagen: Unser Gehirn schüttet Dopamin aus – den gleichen Neurotransmitter, der auch bei anderen aufregenden Erlebnissen aktiv ist. Das Ungewisse, das Warten, die Belohnung – es aktiviert uralte Belohnungsmechanismen.
Strategie oder Glück?
Natürlich kann man die Chancen verbessern:
- Frische Samen verwenden (Keimfähigkeit sinkt schnell)
- Optimales Substrat (steril, durchlässig)
- Richtige Temperatur (meist 20-25°C)
- Geduld haben (manche Arten keimen erst nach Monaten!)
Aber am Ende bleibt immer ein Faktor, den wir nicht kontrollieren können. Vielleicht war der Samen nicht befruchtet. Vielleicht hat er auf dem Transport gelitten. Vielleicht hatte er einfach keine Lust.
Die Parallelen zum strategischen Spielen
Interessanterweise finde ich dieselben Elemente, die mich an der Aussaat faszinieren, auch in anderen Bereichen:
- Risikobewertung: Welche Arten sind die Investition wert?
- Geduld: Nicht zu früh aufgeben
- Strategie: Rahmenbedingungen optimieren
- Akzeptanz: Manche Dinge kann man nicht kontrollieren
Diese Mischung aus Planung und Ungewissheit, aus Strategie und Glück – sie macht beides so fesselnd.
Mein größter Erfolg und Misserfolg
Der Erfolg
Vor fünf Jahren säte ich 10 Samen von Euphorbia piscidermis aus – einer der seltensten Arten. Alle 10 keimten! Heute sind es stattliche Pflanzen, die selbst Samen produzieren.
Der Misserfolg
Von 50 Euphorbia francoisii-Samen keimte nicht ein einziger. Dreimal habe ich es versucht, dreimal verloren. Manchmal gewinnt die Natur.
Für Strategie-Enthusiasten
Wer den Nervenkitzel des Ungewissen mag, wird die Samenaussaat lieben. Es ist ein Spiel, bei dem man die Regeln nur teilweise kennt – und das macht es so spannend.
Und wer diesen Nervenkitzel auch in anderen Bereichen sucht, findet vielleicht Gefallen an strategischen Spielen, bei denen Planung und Zufall zusammentreffen. Ob Brettspiele, Kartenspiele oder andere Formen des strategischen Spielens – der Reiz ist derselbe.
Fazit
Die Aussaat von Euphorbien ist nicht für jeden. Sie erfordert Geduld, Frustrationstoleranz und die Bereitschaft, auch mal zu verlieren. Aber für diejenigen, die sich darauf einlassen, bietet sie etwas, das man nicht kaufen kann: Das Gefühl, wenn aus einem winzigen Samen neues Leben entsteht.
Möchten Sie es selbst versuchen? Unser Vermehrungs-Guide hilft beim Einstieg.