Wolfsmilch — kaum eine Pflanzengattung ist so vielseitig wie Euphorbia. Von der unscheinbaren Zypressen-Wolfsmilch am Wegesrand bis zur kugelrunden Euphorbia obesa in meinem Hamburger Gewächshaus: Mit über 2.000 Arten ist die Wolfsmilch eine der artenreichsten Gattungen im gesamten Pflanzenreich. Diese Website ist ihr gewidmet.
Was ist Wolfsmilch?
Wolfsmilch ist der deutsche Sammelname für Pflanzen der Gattung Euphorbia aus der Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae). Das namensgebende Merkmal ist der weiße, milchige Pflanzensaft — der Milchsaft (Latex) —, der beim Verletzen der Pflanze austritt. Der Name „Wolfsmilch" geht auf die volkstümliche Annahme zurück, dass dieser Saft so scharf sei, dass selbst Wölfe ihn meiden würden.
Die Gattung Euphorbia wurde nach dem antiken Leibarzt Euphorbus benannt, der den Milchsaft bestimmter nordafrikanischer Arten als Heilmittel einsetzte. Heute wissen wir: Der Milchsaft der meisten Wolfsmilch-Arten ist giftig und kann bei Hautkontakt Reizungen, bei Augenkontakt ernste Verletzungen verursachen. In meiner über 20-jährigen Sammlertätigkeit habe ich gelernt, beim Umgang mit Euphorbien stets Handschuhe zu tragen — eine Empfehlung, die ich jedem ans Herz lege.
Wolfsmilch-Arten: Eine unglaubliche Vielfalt
Was mich an der Gattung Euphorbia seit über zwei Jahrzehnten fasziniert, ist ihre beispiellose Formenvielfalt. Über 2.000 beschriebene Arten besiedeln nahezu jeden Lebensraum der Erde — von der Sahara bis zum skandinavischen Wald, von der Meeresküste bis auf 4.000 Meter Höhe.
Sukkulente Wolfsmilch-Arten
Der Schwerpunkt dieser Website liegt auf den sukkulenten Euphorbien — Arten, die Wasser in ihren Stämmen, Blättern oder Wurzeln speichern. Viele von ihnen sind Sukkulenten im engeren Sinne und stammen aus den Trockengebieten Afrikas und Madagaskars. Die Formenvielfalt ist dabei verblüffend:
- Säulenförmige Arten: Euphorbia trigona, E. ammak und E. ingens erinnern stark an Kakteen — ein Paradebeispiel konvergenter Evolution
- Kugelförmige Arten: Euphorbia obesa (die „Baseball-Pflanze") und E. symmetrica wirken wie lebende Skulpturen
- Medusa-Typen: Euphorbia caput-medusae und E. flanaganii mit ihren schlangenartigen Trieben
- Bleistift-Euphorbien: Euphorbia tirucalli mit ihren dünnen, grünen Trieben — eine der meistverbreiteten Zimmerpflanzen weltweit
Auf euphorbia.de dokumentiere ich über 500 dieser Arten mit detaillierten Steckbriefen, Pflegeanleitungen und Fotos aus meinem Gewächshaus.
Heimische Wolfsmilch-Arten
Auch in Deutschland und Mitteleuropa wachsen zahlreiche Wolfsmilch-Arten wild. Die bekanntesten:
- Zypressen-Wolfsmilch (Euphorbia cyparissias): Die häufigste einheimische Art, erkennbar an den nadelartigen Blättern. Sie wächst auf Trockenrasen, an Wegrändern und auf Bahndämmen in ganz Mitteleuropa.
- Kreuzblättrige Wolfsmilch (Euphorbia lathyris): Auch als „Maulwurfsschreck" bekannt — der Glaube, dass sie Wühlmäuse vertreibt, ist weit verbreitet, wissenschaftlich aber nicht belegt.
- Garten-Wolfsmilch (Euphorbia peplus): Ein häufiges „Unkraut" in Beeten und auf Äckern. Medizinisch interessant: Aus ihrem Saft wird der Wirkstoff Ingenolmebutat gegen aktinische Keratosen gewonnen.
- Walzen-Wolfsmilch (Euphorbia myrsinites): Eine attraktive Steingartenpflanze mit blaugrünen, spiralförmig angeordneten Blättern. Winterhart bis circa -15°C.
Ist Wolfsmilch giftig?
Ja — und zwar ausnahmslos alle Arten. Der Milchsaft enthält Diterpene (insbesondere Phorbolester), die bei Hautkontakt Rötungen, Blasenbildung und allergische Reaktionen auslösen können. Besonders gefährlich ist der Kontakt mit Augen und Schleimhäuten: Es drohen schwere Bindehautentzündungen bis hin zu vorübergehender Erblindung.
Die Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) stuft Wolfsmilchgewächse als gesundheitsschädlich ein. Für Haushalte mit Kindern oder Haustieren empfehle ich, sukkulente Euphorbien außer Reichweite aufzustellen. Ausführliche Informationen finden Sie auf meiner Seite zur Giftigkeit von Euphorbien.
Wolfsmilch pflegen: Die wichtigsten Grundregeln
So unterschiedlich die Wolfsmilch-Arten auch sind — einige Grundprinzipien gelten für nahezu alle:
Standort und Licht
Die meisten Wolfsmilch-Arten lieben volle Sonne. Sukkulente Arten aus Afrika und Madagaskar brauchen den hellsten Platz, den Sie bieten können — idealerweise ein Südfenster oder ein Gewächshaus. Heimische Arten wie die Zypressen-Wolfsmilch sind genügsamer und gedeihen auch im Halbschatten.
Gießen
Die goldene Regel für sukkulente Wolfsmilch-Arten: Lieber einmal zu wenig als einmal zu viel. Gießen Sie erst, wenn das Substrat vollständig durchgetrocknet ist. Staunässe führt unweigerlich zu Wurzelfäule — der häufigsten Todesursache bei Euphorbien in Kultur. Ausführliche Tipps in meinem Gieß-Ratgeber.
Substrat
Sukkulente Wolfsmilch-Arten brauchen ein durchlässiges, mineralisches Substrat. Handelsübliche Blumenerde ist zu feinkörnig und speichert zu viel Feuchtigkeit. Bewährt hat sich eine Mischung aus Bims, Lavagrus und grobem Sand im Verhältnis 50:30:20.
Überwintern
Tropische und subtropische Arten überwintern am besten kühl (10–15°C) und nahezu trocken. In meinem Hamburger Gewächshaus stelle ich ab Oktober das Gießen weitgehend ein und beginne erst im März wieder vorsichtig. Heimische Gartenarten wie die Zypressen-Wolfsmilch sind vollständig winterhart und brauchen keinen Schutz.
Vermehrung
Viele Wolfsmilch-Arten lassen sich unkompliziert durch Stecklinge vermehren. Wichtig: Lassen Sie die Schnittstelle mindestens drei bis sieben Tage abtrocknen, bevor Sie den Steckling in trockenes Substrat setzen. Und tragen Sie beim Schneiden immer Handschuhe — der austretende Milchsaft reizt die Haut.
Häufige Fragen zu Wolfsmilch
Ist Wolfsmilch das Gleiche wie Euphorbia?
Ja. „Wolfsmilch" ist der deutsche Name für die Pflanzengattung Euphorbia. Allerdings werden im Volksmund manchmal auch andere milchsaftführende Pflanzen fälschlich als Wolfsmilch bezeichnet. Botanisch korrekt gehören nur Arten der Gattung Euphorbia zur Wolfsmilch.
Welche Wolfsmilch-Arten eignen sich für den Garten?
Für den Garten eignen sich vor allem die winterharten europäischen Arten: Zypressen-Wolfsmilch (E. cyparissias), Walzen-Wolfsmilch (E. myrsinites), Vielfarbige Wolfsmilch (E. polychroma) und Mandelblättrige Wolfsmilch (E. amygdaloides). Sie sind pflegeleicht, trockenheitsverträglich und setzen mit ihren gelbgrünen Hochblättern im Frühling leuchtende Akzente.
Was tun bei Hautkontakt mit Wolfsmilch-Milchsaft?
Sofort gründlich mit Wasser und Seife abwaschen. Bei Augenkontakt mindestens 15 Minuten mit klarem Wasser spülen und einen Augenarzt aufsuchen. Bei Verschlucken (besonders bei Kindern) die Giftnotrufzentrale kontaktieren. Vorbeugung ist der beste Schutz: Handschuhe tragen, Pflanzen außer Reichweite von Kindern und Haustieren aufstellen.