Tumorpromotoren sind Substanzen,
die, ohne selbst karzinogen zu sein, die Krebsinzidenz nach Exposition
gegenüber karzinogenen (initiirenden) Substanzen erhöhen. Im Tierversuch
erhöhen Tumorpromotoren entweder die Anzahl der Tumore pro Tier, und/oder sie
verkürzen die Latenzzeit der Karzinogenese.
Tumorpromotoren sind zur Krebsentwicklung vermutlich nicht unbedingt erforderlich. Einige chemische Karzinogene wie die Aflatoxine, die Pyrrolizidinalkaloide oder die Aristolochiasäure sind so starke Initiatoren, dass allem Anschein nach die mehrmahlige Applikation alleine nach gehöriger Latenzzeit zur Krebsausbildung führt.
Der bei weitem wirksamste aller
Tumorpromotoren ist das Crotonöl, dass aus den Samen des ostasiatischen Croton
tiglium L. (Euphorbiaceae) gewonnen wird. Neben Triglycerinestern der Stearin-,
Palmitin-, Myristicin-, Laurin- und Tiglinsäure enthält Crotonöl mehrere
Phorbolester, darunter das tumorpromovierende 12-Tetradecanoyl-phorbol-13-acetat.
Die Substanz wirkt nicht mutagen, beeinflusst jedoch direkt Zellwachstum und
Proliferation durch Aktivierung der Proteinkinase C. Beispielsweise schalten
die Zellen der Mausepidermis direkt von der G-1-Phase auf DNA-Synthese und Mitose
um. Es ist seit langem bekannt, dass alle Substanzen und alle Maßnahmen, die
zur erhöhten Zellteilungsaktivität führen, als Tumorpromotoren wirken (Sandritter u. Beneke 1981). Dazu zählen
alle lokal irritierenden Stoffe, beispielsweise Limonen oder Sterculiasäure
(Hecker 1972).
Crotonöl wurde früher als drastisch
wirkendes Abführmittel, vor allem aber zum sogenannten Braunscheidtieren
verwendet, so benannt nach dem Erfinder Carl Braunscheidt (1809 – 1873). Das
Braunscheidtieren ist eine unspezifische Reiztherapie. Bestimmte Hautpartien
werden mit einem Gerät, das mit feinen Nadeln gespickt ist, verletzt, wobei die
Nadeln 1 – 2 mm tief in die Haut eindringen. Die feinen Wunden werden mit
hautreizenden Stoffen, früher vorzugsweise Crotonöl, heute mit Cantariden,
Wacholder- oder Senföl, Euphorbiensaft u.a. bestrichen. Als Folge des
Braunscheidtierens ist es durch Infektionen zu mehreren schweren Zwischenfällen
gekommen (Stiftung Warentest 1996).
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Crotonöl enthält eine Anzahl von Phorbolderivaten. Der
wirksamste Vertreter als Tumorpromotor ist das Tetradecanoylphorbolacetat.
Die tumorpromovierende Wirkung ist sehr spezifisch, bereits geringe
Veränderungen im Ringsystem (4-OH ® 4-OCH3
führen zu unwirksamen Derivaten. Hingegen führt die Abänderung des Fettsäurerestes
in C-12 lediglich zu quantitativen Änderungen der Wirkungsstärke. |
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